Gedankenplauderei

Schöner sein oder schöner Schein – Be beautiful!

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Ich kann mir gut vorstellen, wie jetzt manche bei dieser Überschrift gleich mal die Augen verdrehen und sich denken: „Bitte nicht noch ein Beitrag zu diesem Thema, das ist doch jetzt wirklich schon ausgelutscht und von so vielen aufgeriffen worden“. Das stimmt sicher in vielen Bereichen, doch einige Erlebnisse und Gespräche in der letzten Zeit haben mich dennoch dazu ermutigt, mich näher damit zu beschäftigen und es selbst auch in einem Beitrag zu verarbeiten. Aber jetzt keine lange Vorrede, lasst uns sofort damit starten.

 

Was ist Schönheit?

Hier bin ich doch gleich mal bei einem nicht unwesentlichen Punkt von dieser Thematik gelandet, denn zuerst ist schließlich mal der eigentliche Begriff zu klären: was bedeutet Schönheit? Was verbirgt sich denn nun genau hinter diesem Wort, das doch im alltäglichen Leben häufig auftaucht?

Da gibt es eine schöne Blume, dort ist ein schöner Berg, es gibt ein schönes Buch, ein schönes Gedicht, da ein schönes Gebäude, eine schöne Statue, ein schönes Lied, einen schönen Moment, ein schönes Gefühl oder für die Naturwissenschaftler eine schöne Formel. So Vieles wird in unserem Leben mit „schön“ beschrieben und dieses Thema hat auch schon die Denker in den frühen Zeiten der Menschheit beschäftigt. So gibt es unter anderem vom griechischen Philosophen Platon bereits umfangreiche Abhandlungen zu diesem Thema und im Laufe der Jahrhunderte war dies immer wieder ein wichtiger Punkt im Leben der Menschen.

Wenn es etwas gibt, wofür zu leben sich lohnt, dann ist es die Betrachtung des Schönen.
(Platon)

Deshalb hat sich auch die Wissenschaft immer mal wieder Gedanken zu dieser Frage gemacht und auch versucht Formeln für die Schönheit zu entwickeln – ein entsprechender Faktor, der sogenannte „Goldene Schnitt“ bestimmt beim Menschen das Verhältnis zwischen verschiedenen Körperteilen wie etwa Länge vom Oberköper ab dem Bauchnabel zum Unterkörper mit den Beinen oder der Abstand zwischen Mund und Augen zu der Gesamtlänge des Gesichts von Haaransatz bis Kinn.

Trotz aller Definitionen und Berechnungen bleibt die Schönheit sicher eine sehr subjektive Angelegenheit – auch wenn es gemeinsame Schönheitsmerkmale gibt, dann kann dennoch für den Einzelnen etwas Anderes schön sein.

 

Einfluss der Schönheit

Diese Beschreibungen betreffen jetzt eigentlich nur das Äußere, die Schönheit, die optisch erfasst wird und nicht tiefer geht. Obwohl die äußerliche Schönheit gerne unter das Brandmal der Oberflächlichkeit gestellt wird, ist sie in unserem gesellschaftlichen Leben dennoch allgegenwärtig.

Derartige Bilder werden mir tagtäglich geboten, ja ich begegne ihnen zeitweise quasi auf Schritt und Tritt – ich schalte den Computer ein und schon ploppt eine Werbebotschaft mit einer dieser Schönheiten auf, ich sehe mich auf Instagram oder einer anderen Social-Media-Plattform um und schon stürmen diese Bilder auf mich ein, ich lese in einer Zeitschrift oder in einem Magazin und schwupps schon erblicke ich wieder eine derartige Aufnahme oder ich gehe durch eine Gasse und da ist es schon wieder und lacht mir von einer Plakatwand entgegen.

Immer wieder werden mir so „perfekte Schönheiten“ vor Augen geführt und auch wenn mir  sehr wohl bewusst ist, dass diese Fotos retuschiert worden sind, dass hier alle Tricks von Photoshop angewendet worden sind, dass hier mit allen möglichen Filtern und Effekten gearbeitet worden ist, dass die dargestellten Bilder nur mehr wenig mit der eigentlichen Person dahinter zu tun haben, so schleicht sich diese Ansicht dann doch langsam etwas in die Gedanken.

Ich kenne dieses Phänomen auch aus anderen Bereichen – da gibt es irgendeine Neuheit, ein neues Produkt, einen neuen Trend oder eine neue Erfindung, mit der ich so wirklich nichts anfangen kann, die mich absolut nicht anspricht. Doch dann sehe ich dies immer wieder, es begegnet mir da und dort und so langsam gewöhne ich mich an den Anblick und in weiterer Folge finde ich es vielleicht auch sogar angenehm, schön.

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Genauso besteht natürlich die Gefahr, durch den ständigen Anblick von bearbeiteten und retuschierten Bildern, von perfekten Aufnahmen immer mehr in diesen Sog zu geraten und diese – obwohl wir es doch im Hinterkopf sehr wohl besser wissen – bald als normal, als Standard und im Extremfall sogar als selbst anstrebenswert erachten. Ja, obwohl diese Bilder dann in den meisten Fällen mit der Realität nichts mehr zu tun haben, haben sie dennoch unbewusst Einfluss auf uns. Das reicht dann oft so weit, dass ein idealisiertes Schönheitsbild aufgebaut wird, ein Ideal, das eigentlich nicht erreicht werden kann und das in vielen Menschen Druck und Stress aufbaut. Sie wollen ein perfektes Leben und dazu gehört ein perfektes Aussehen dazu, egal welchem unrealistischen Vorbild sie dabei nacheifern.

 

Auswirkungen von Schönheit

Dieser teilweise regelrechte Schönheitswahn wird auch durch die diversen Fernsehsendungen noch gefördert und unterstützt. Da gibt es doch diese Model-Sendungen, wo jede Äußerlichkeit begutachtet wird, wo auf vermeintliche kleine Unregelmäßigkeiten hingewiesen wird, wo perfektes Aussehen immer gefordert wird. Alles, was nicht dem sogenannten Schema F entspricht, wird kritisiert.

Aber auch in anderen Sendungen sind die Themen auf Äußerlichkeiten konzentriert – so können Menschen Veränderungen an ihrem Körper vornehmen oder sich von einem angeblichen Makel befreien lassen. OK – das ist zwar die Sache jedes Einzelnen, ob er sich auf die Zur-Schau-Stellung einlässt, ob er sich öffentlich präsentieren will. Aber die Auswirkungen auf die Zuschauer sind meines Erachtens auch nicht zu unterschätzen. Es wird dabei doch auf Schwachstellen hingewiesen, die manche so gar nicht an sich gesehen haben, mit denen sie gelebt haben, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden – aber durch die ständige Berieselung, durch diese Darstellung finden sie dann auch an sich selbst immer mehr auszusetzen, sich fühlen sich unzufriedener, unattraktiver und sehen sich mit anderen Augen.

Warum sich auf eventuelle Schwachstellen konzentrieren, besser ist es doch auf die positiven, auf die schönen Seiten zu achten – etwa statt „Meine Beine sind zu dick“ besser „Meine Haare sind schön dicht“ zu sagen. Ich weiß, das ist wahrscheinlich nicht immer leicht und gelingt sicher auch nicht jedes Mal, aber lassen wir doch von solchen banalen Formaten nicht unser Selbstwertgefühl ankratzen.

 

Schönheit in der Gesellschaft

Von all dem Gerede und Getue um die Schönheit sind doch vor allem die Frauen betroffen, sie fühlen sich hier sicher mehr in die Pflicht genommen als die Männer. „Die Weihnachtskekse haben sich auf meinen Hüften festgesetzt“, „Oh Schreck, ich habe da eine schlimme Falte auf der Stirn bekommen“, „Da ist schon wieder ein graues Haar“, „Ich habe diese blöden Streifen an den Oberschenkeln“, sind doch Aussagen, die wir meist eindeutig gleich mal dem weiblichen Geschlecht zuordnen. Während die Frauen dann auf verschiedenste Arten versuchen, diese angeblichen Mängel zu verdecken, haben Männer meist kein Problem damit, wenn der Waschbrettbauch nicht gegeben ist, wenn sich der Schopf gräulich verfärbt.

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Dazu darf ich euch mal kurz in die Tierwelt mitnehmen. Jetzt schnell das Kopfkino einschalten – wir befinden uns auf einem Bauernhof. Was sehen wir hier denn so alles an Tieren? Da stolziert ein Gockelhahn mit aufgestelltem Kamm ums Eck, dort erblicken wir einen Pfau, der gerade ein Rad schlägt, im Wasser sehen wir einen Erpel schwimmen und aus dem Wald einen Rehbock lugen. Hier ist es doch überall der männliche Part, der schön sein muss, der sich darstellen und präsentieren muss.

Bei der Menschheit sind diese Rollen umgekehrt. Wenn wir jetzt mal ehrlich sind, es gibt sicher keine Frau, die wirklich mit ihrem Körper komplett zufrieden ist, es gibt doch meist eine kleine „Schwachstelle“, die uns nicht so behagt und ich denke, es geht jetzt doch auch nicht darum, dass wir vor dem Spiegel jede neue Falte mit einem Lächeln begrüßen müssen – außer natürlich es handelt sich um eine Lachfalte. Es geht auch nicht darum, dass wir uns über jede Delle freuen oder dass wir an einem Bad-Hair-Day unser Spiegelbild mit „Wie schön du doch heute wieder bist!“ anschmachten.

Wir müssen dabei also nicht alle Teile unseres Körpers jeden Tag heiß und innig lieben, manches finden wir vielleicht perfekt, manches etwas verbesserungswürdig, dennoch können wir uns mit ihnen arrangieren und auf unsere eigene Wertschätzung achten.

 

Schönheitsoperationen

So habe ich vor einigen Wochen zufällig ein Interview mit einem Schönheitschirurgen gehört. Ja, jetzt werden sicher die meisten denken, dass dabei die Kunst und vor allem auch die Möglichkeiten, die diese Operationen mittlerweile bieten, den zentralen Bestandteil des Gesprächs gebildet haben oder vielleicht auch, dass es sich quasi so nebenbei gleich mal um eine Werbeplattform für diesen Berufszweig oder diesen Arzt im Speziellen gehandelt hat. Aber das ist weit gefehlt und folgender Satz hat mich sofort aufhorchen lassen „80 % der Menschen, die eine Schönheitsoperation machen, gehören beim Psychiater auf die Couch“.

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Das ist doch eher ungewöhnlich aus dem Munde eines solchen Menschen und eine doch eher untypische Aussage gesehen in Bezug darauf, wie er sein Einkommen erwirtschaftet. Der Hintergrund ist einfach, nämlich dass viele Menschen sich mit falschen Motiven für eine Schönheitsoperation entschließen und mit ganz falschen Erwartungen seine Praxis aufsuchen und so kommt es tatsächlich auch mal vor, dass er potentielle Patienten aus diesen Gründen abweist. So will sich etwa jemand die Ohren operieren lassen, obwohl er ein Problem mit einer Diskrepanz aus der Kindheit hat und sich durch diese „Verbesserung“ gleichsam über das Körperliche hinaus eine Heilung erhofft. So nach dem Motto, wenn meine Ohren gerichtet sind, dann finde ich meinen Traumjob, dann wird mein Leben besser.

Natürlich werden Menschen mit entstellenden Verletzungen durch einen Unfall dankbar sein für die Möglichkeiten, die plastische Chirurgie in der heutigen Zeit bietet, ja welche Wunder diese fast vollbringt. Es gibt auch Personen, die sich zeitlebens für irgendwelche Stellen an ihrem Körper genieren – sie fühlen sich damit einfach unwohl und haben vielleicht auch immer das Gefühl, dass die anderen genau diese Körperstelle fixieren. So kann dies ein behaartes Muttermal auf der Wange sein, dass jedem sofort ins Auge fällt – nach einer Operation, bei der dieses Mal entfernt wird, fühlt sich der Betroffene dann erleichtert, es fällt von ihm wie eine Last ab. Ja sicherlich könnten wir hier darauf plädieren, „Hey, das Muttermal gehört zu dir, das ist doch ein besonderes Kennzeichen“, aber warum nicht in diesem Fall die Möglichkeiten der Chirurgie nutzen und sich danach frei zu fühlen. Solange damit nicht weitere Erwartungen wie etwa „Ohne das Muttermal finde ich jetzt sicher meinen Traumpartner“ verbunden sind. Solange die Entfernung nicht nur durch ein Idealbild von Außen vermittelt worden ist – wir leben in unserem Körper, wir sind doch selbst für unser Wohlbefinden verantwortlich und das sollen wir nicht von der Meinung der anderen abhängig machen.

Das heißt aber nicht, dass wir ungepflegt sein sollen, dass wir uns mit fetten Haaren, mit schlampiger Kleidung unter das Volk mischen sollen – zur Selbstliebe gehört es auch, dass wir auf unseren Körper schauen, dass wir ihm Gutes zukommen lassen und er wird es uns prompt mit Wohlbefinden danken.

 

Schönheit beginnt in dem Moment, in dem du beschließt du selbst zu sein.
(Coco Chanel)

 

Schönheit liegt doch ohnehin im Auge des Betrachters und hat auch nichts mit dem Alter zu tun. Denn seien wir ehrlich, welche Menschen finden wir bei genauerem Hinschauen wirklich schön? Da geht es nicht nur um eine schlanke Figur, um lange Beine, um dichtes Haar, um einen Waschbrettbauch oder ähnliches, da kann ein Gesicht auch gerne Falten haben, wenn der Mensch dahinter mit sich, mit seinem Leben zufrieden ist, dann strahlt er dies auch aus. Wenn ein Mensch in sich ruht und gelassen ist, wenn er sich einfach wohlfühlt, dann überträgt sich das sehr wohl auf sein Äußeres. Keine verkniffenen Mundwinkel, sondern ein offenes Lachen zeigen uns einen schönen Menschen – gute innere Gefühle führen zu einer äußeren Schönheit, vielleicht keine Schönheit, die dem gängigen Schönheitsideal entspricht, aber eine Schönheit, die auch auf andere Menschen ausstrahlt und bestenfalls abfärbt.

 

Ja, zu diesem Thema gibt es noch so viel zu sagen, es kann aus so vielen verschiedenen anderen Blickwinkel betrachtet werden, jeder geht anders darauf ein und damit um und so freue ich mich jetzt schon ganz besonders auf deine Meinung:

Wie siehst du den Einfluss der Schönheit auf unser alltägliches Leben? Welcher Mensch verkörpert für dich Schönheit – sind dies eher Menschen, die im Rampenlicht stehen, ist das jemand in deinem direkten Umfeld oder vielleicht überhaupt jemand, der dem generellen Schönheitsideal so gar nicht entspricht?