Gedankenplauderei

Du hast die Wahl!

Haus-Wonderfulfifty

Du hast die Wahl – mit diesen Worten verbinden wir Österreicher jetzt vielleicht gleich mal etwas ganz andere Themen. Aber keine Sorge, die Politik bleibt natürlich hier außen vor und ich werde auch nicht auf die Geschehnisse in unserem Land zurzeit eingehen.

Es geht um etwas Alltägliches – aber dazu jetzt mal von vorn: Am Wochenende war eine Bekannte zu Besuch – sie berichtete dabei vor allem von der Shopping-Tour mit ihren drei Mädels. Was als gemütlicher Nachmittag geplant war, nahm ein ganz anderes Ende.

So ging es in einen Jeansladen – ein ganzes Geschäft gefüllt mit Jeans in allen Farben, Formen und Variationen. Angefangen von Skinny Jeans, Straight, Bootcut, Tapered bis Boyfriend, von ausgewaschen bis dunkel, von hellblau bis schwarz, von hoch geschnitten bis low waist, von geradlinig bis cropped und destroyed oder auch mit Applikationen war alles vorhanden. Ein wahres Paradies für jeden Jeans-Liebhaber. Die Mädels wühlten sich durch das Sortiment, probierten angeblich gefühlte Hunderte an Hosen und fanden doch an jeder etwas auszusehen, zu kurz, zu lang, zu eng, zu weit, die falsche Farbe – so ging es weiter und weiter.

Jedenfalls kamen letzten Endes drei verdrossene Mädels mit ihrer erschöpften Mutter nach Hause – das Fazit meiner Bekannten „Nach einem Tag harter Gartenarbeit bin ich nicht so geschafft und erledigt wie nach diesem Einkaufstag, außerdem war ich von dem Angebot geistig total überflutet und nicht mehr aufnahmefähig“.

 

Immer die gleiche Wahl treffen

An diese Erzählung muss ich gleich wieder denken, als ich eine Parfumerie betrete, reihenweise die verschiedensten Parfums, von süßlich bis herb, in den unterschiedlichsten Flakons. Ich schlendere an den Regalen entlang, nehme hiervon einen Spritzer, teste den anderen. Aber nach ein paar Duftproben ist es bei mir dann wieder so weit, diese Duftvielfalt überfordert mich einfach; welcher Duft hat mich mehr angesprochen, war es dieser hier in der grünen Verpackung oder doch diese rosa Flasche? Welcher Geruch ist angenehmer? Wie duftet dieser gleich noch mal?

Ich weiß ja nicht, wie es euch da geht, wie geduldig und hingebungsvoll ihr euch durch diese Auswahl kämpft, ob ihr euch die Zeit nehmt, in Ruhe abzuwägen und zu entscheiden. Aber wenn ich da vor diesen Regalen stehe, da verliere ich gerne den Überblick, es fühlt sich irgendwie an wie das Herumirren im Wald, nur dass es sich hier statt um Bäume und Sträucher um lauter Parfumfläschchen handelt.

Dieses Hin und Her macht mich ganz kirre und dann mache ich das, was ich in solchen Situationen immer mache – ich greife zu meinem altgewohnten Parfum und verlasse den Shop wieder. Ja, da habe ich die Auswahl an einer riesigen Anzahl an verschiedenen Düften, ich kann aus einer Unmenge wählen und nutze diese Möglichkeit dann doch nicht. Ich habe zwar eine Zeit lang überlegt, aber dann doch das Vertraute gewählt, von dem ich weiß, dass ich damit zufrieden bin.

 

Pflanzen-Wonderfulfifty

Wenn ich weiter nachdenke, trifft das doch auch auf andere Bereiche zu – habt ihr schon einmal eine Pizzakarte wirklich komplett durchgelesen, alle vierzig, fünfzig, sechzig unterschiedlichen Belagvarianten, einmal mit Mozarella und Champignons, einmal mit Mozarella und Mais, einmal mit Mozarella und Artischocken, einmal mit…. Meist wird doch nur ein kurzer Überblick verschafft und schließlich die Lieblingspizza wieder ausgewählt. Oder gehen wir in das Kaffeehaus – da gibt es den Großen Brauen, den Melange, den Cappuccino, den Caffe Latte, ja und noch mindestens zehn weitere Varianten und doch wird meist auf das Gleiche zurückgegriffen.

Ich finde es natürlich toll, Auswahlmöglichkeiten zu haben, auch einmal auf was Anderes zugreifen zu können. Es ist doch eigentlich ein Privileg, das wir hier haben, eine Vielfalt, die früheren Generationen nicht in diesem Ausmaß zur Verfügung gestanden ist, aber manchmal ist es trotzdem einfach angenehmer und bequemer, Alterprobtes zu verwenden. Wenn ich mit etwas zufrieden bin, dann bietet es sich doch quasi an, das auch immer wieder auszuwählen. Warum auch nicht?

 

Perfekte Wahl

Doch manchmal ist der Zugriff auf Bewährtes nicht möglich, manchmal muss ich mich einfach mit einem Thema auseinandersetzen und kann erst dann eine Auswahl treffen. So durfte ich mich vor gar nicht allzu langer Zeit mit der Suche nach einem neuen Smartphone beschäftigen: welche Marke sollte es sein? Wieviel Speicher soll es haben? Wie soll die Kamera ausgestattet sein? Soll es ein Dual-Sim-Smartphone werden?

Fragen über Fragen und was dann folgt, ist doch klar. Ran an‘s Internet und die Suchmaschine angeworfen – die verschiedensten Modelle verglichen, Gegenüberstellungen angelegt, Testberichte und Rezensionen gelesen, Kosten-Nutzen-Vergleiche angestellt. Aus der Vielzahl der Optionen, die mir zur Verfügung stehen, will ich das Optimale herausfiltern. Da es eine schier unbegrenzte Anzahl an Möglichkeiten gibt, muss doch ein perfektes Ergebnis zu finden sein. Ich komme dabei natürlich vom Hundertsten ins Tausendste und quäle mich durch die vielen Kriterien, die Vielzahl an Möglichkeiten erschlägt mich fast, ja was ist nun das Beste, welches soll es nun sein, welches passt denn perfekt?

 

Haus-Wonderfulfifty

Irgendwann kommt es dann auch zu einer Überflutung an Informationen, die ich gar nicht mehr alle verarbeiten kann, ich schalte dann einfach mal ab. Aber ich muss ja eine Entscheidung treffen, auch wenn es nicht wirklich einfach ist. Ja, es wird vermutlich in den Weiten des Internets noch etwas Besseres für mich geben, vielleicht auch etwas Kostengünstigeres, aber erstens ist die Frage, ob ich das überhaupt finde und zweitens, ob der Zeitaufwand für eine weitere Suche überhaupt dafür steht.

Also treffe ich die bestmögliche Entscheidung aufgrund der jetzigen Informationen und denke nicht mehr an weitere mögliche Alternativen, daran, dass ich mich eventuell doch nicht ganz optimal entschieden habe. Ich konzentriere mich nur mehr auf die positiven Aspekte meiner Auswahl.

Da ich Zitate immer ganz wunderbar finde, einfach mit ein paar Worte etwas ganz Wesentliches auszudrücken, bleibt ihr auch dieses Mal wieder nicht verschönt und ich darf euch eine kleine Lebensweisheit präsentieren:

Es ist besser, unvollkommene Entscheidungen durchzuführen, als beständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird.“
Charles de Gaulle

Opportunitätskosten bei der Wahl

Warum tue ich mir mit manchen Entscheidungen oft so schwer? Klar, wenn mich jetzt jemand fragt, „Was willst du lieber, ein Buch lesen oder auf einen Berg steigen?“, dann habe ich sofort eine Antwort parat und ich muss auch nicht länger darüber nachdenken. Das liegt auf der Hand, ist einfach entschieden und ich bin mit dem Ergebnis auch zufrieden.

Blöder wird es da schon bei der Frage „Was willst du machen?“ Da fängt es im Kopf gleich mal so richtig an zu rattern:

  • Heute ist endlich mal wieder strahlender Sonnenschein – da wäre es doch schön, ein bisschen ins Freie zu gehen, die Sonnenstrahlen zu spüren, die Frische in der Natur zu atmen und einen kleinen Spaziergang zu machen.
  • Es wäre nett, meine Freundin zu besuchen; durch ihre derzeitige Projektarbeit liegt das letzte Treffen bereits längere Zeit zurück.
  • Eigentlich wäre auch ein Besuch in dem kleinen Cafe verlockend, dort gibt es immer diese besonderen und ganz leckeren Mehlspeisen, gerne auch mit ganz viel Schokolade.
  • Im Kino wird endlich der neue Film gespielt, auf den ich mich schon so gefreut habe und den ich unbedingt gerne mal sehen möchte.
  • Aber der Schrank sollte auch mal wieder aussortiert werden, da hat sich doch im Laufe der Zeit wieder Einiges angesammelt.

Ja, bei meinem Hin- und Herüberlegen fallen mir noch eine Menge anderer Möglichkeiten ein, die sich für diesen Nachmittag anbieten würden. Was ist los? Warum kann ich mich einfach nicht entscheiden? Ich möchte am liebsten alles machen oder doch vielleicht eher die Freundin besuchen, aber andererseits, wann ist wieder Sonnenschein? Wer weiß, wie lange es diesen Film im Kino noch gibt? Ihr seht schon, meinen Gedanken gelangen in eine Endlosschleife und wollen sich einfach nicht festlegen lassen.

Da wird es mir bewusst: an den Überlegungen stört mich doch am meisten, dass ich durch Wahl einer Möglichkeit auf die anderen verzichten muss. Wenn ich mich für eine Alternative entscheide, dann entscheide ich mich gegen die anderen. He, was soll das – ich will doch nichts ausschließen, ich will doch alles haben, alles machen…. denn wenn ich jetzt eine Möglichkeit auswähle, dann gibt es schon diesen kleinen Mumpf im Ohr, der mir einflüstert „Die andere Variante wäre doch besser“.

Wie soll ich denn da bitte mit einer Entscheidung – so wunderbar und toll sie auch sein wird – wirklich zufrieden sein? „Ich weiß nicht, was ich wollen soll (Bas Kast)“, kommt dir nur noch in den Sinn, denn egal wie ich mich schlussendlich entscheide, es ist mein Entschluss und ich kann nicht es nicht rechtfertigen mit „Ich hatte ja keine andere Wahl“.

Es ist schon irgendwie seltsam, da habe ich dankenswerterweise so eine breite Palette zur Auswahl, ich kann zwischen so vielen schönen Möglichkeiten wählen und wünsche mir jetzt doch fast, dass es nur die beiden Punkte „Berg oder Buch“ gibt, damit ich eine für mich eindeutige und zufriedene Auswahl treffen kann.

 

Pflanzen-Wonderfulfifty

 

Stellen wir uns vor: eine frühere Generation wird in unser derzeitiges Leben gebeamt, das wirkt für diese doch wie das Schlaraffenland, welche Auswahl sich uns bietet, welchen Möglichkeiten uns offenstehen, welchen Optionen wir haben.

Wir haben Hunderte an Kosmetikartikeln zur Auswahl, eine Unzahl an Speisen und Getränkesorten stehen uns zur Verfügung, es gibt Kleidung und Schuhe in allen Formen und Varianten, wir haben Zugang zu einer Vielfalt an Informationen und dennoch scheinen manche damit nicht zufrieden zu sein. Liegt es daran, dass aufgrund der unzähligen Auswahlmöglichkeiten die Erwartungen so hoch liegen? Wollen sie unbedingt das Perfekte finden und haben dabei Sorge, doch nicht das Optimale zu wählen?

Eine große Auswahl verbinden wir doch irgendwie mit Freiheit, mit vielen offen stehenden Möglichkeiten, mit vielen Chancen, vielleicht auch mit Luxus. Wir können uns entscheiden, wir haben die Wahl in diesem riesigen Angebot – sehen wir doch nur das Positive darin und nutzen wir dies für Entscheidungen, die gut für uns sind und uns glücklich machen.

 

Da sich die Sonne leider wieder hinter den Wolken versteckt und der Regen und der Wind vorherrschen, geht es jetzt in meine Kuschelecke, Tee und Kuchen warten schon. Es fehlt nur noch das Buch – was werde ich heute lesen? Soll ich mir diesen neuen Krimi vornehmen oder doch diese besondere Geschichte über zwei Freunde, greife ich lieber zu der Biografie oder darf es heute das Sachbuch sein…….

Aber auch du hattest die Wahl: besuchst du meinen Blog oder besuchst du ihn nicht? Liest du diesen Beitrag oder liest du ihn nicht? Da du diese Worte jetzt liest, ist die Wahl in den ersten beiden Fragen klar und es freut mich sehr, dass du noch immer dabei bist. Jetzt bleibt ist noch offen: schreibst du einen Kommentar oder schreibst du keinen?

Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn du mir verrätst, wie entscheidungsfreudig du bist, wie du mit einer umfassenden Auswahlpalette umgehst, ob du Entscheidungen auch immer wieder mal aus Gewohnheit triffst.

Ich bin gespannt auf deinen Kommentar.